Der Wecker klingelt, es ist 3:45 Uhr, gleich gehts los, gleich sind wir endlich auf dem Weg ans Meer. Das erste Mal Sand unter den Füßen mit Kind, das erste Mal Meerwasser auf der Haut mit Kind, das erste Mal im neuen Leben in die Ferne fahren. Ich freue mich unsagbar und überprüfe, leicht notorisch, noch mal das Gepäck. Es scheint so, als hätten wir alles mit, was wir brauchen. Und obwohl ich den Koffer voll mit “Fancy-Outfits” habe, überkommt mich so ein Gefühl, dass das einer dieser Urlaube sein wird, in dem man höchstens den Bikini und die Unterwäsche wechselt und im immer selben Baumwollkleidchen zum Bäcker spaziert.

Ich bin wach, doch noch lasse ich die Augen geschlossen, will mir nicht den Moment versauen und genieße vorab die warme Sonne, wie sie sich durch die Autoscheiben drückt. Das Meer ist nah, ich kann die Aura spüren. Knapp 10 Stunden fahrt liegen nun hinter uns, und obwohl mein Sohn normal kaum ruhig auf der Stelle stehen kann, hat er die Fahrt mit Bravour gemeistert. Die meiste Zeit schlief er und wenn nicht haben wir in seinen Lieblingsbüchern geblättert. Ich glaube er spürt, dass etwas Schönes vor uns liegt, spürt meine Zufriedenheit und lässt sich mitreisen von der gemütlichen Stimmung, die in der Luft liegt.

Zu Hause versucht man es sich immer schön zu machen, egal wie stressig der Alltag ist. Man stellt sich Blumen auf den Tisch, um Atmosphäre zu schaffen, man räumt sich kleine Pausen ein und versucht jede freie Minute mit seinen Kindern wertvoll zu nutzen. Doch die Realität im Hamsterrad zwischen Job, Erziehung, Partnerschaft und Haushalt sieht oft anders aus. Durch den immer wieder gleichen Rhythmus ist es fast so, als würde Stillstand im eigenen Leben herrschen.

Im Urlaub ist das nicht so, vielmehr hat man die nötige Gelassenheit und Distanz, um Bilanz zu ziehen. Wo stehe ich im Leben, bin ich glücklich oder möchte ich etwas verändern?! Gäbe es ein Leben, welches mich zufriedener machen würde und wenn ja, wäre das auch umsetzbar? In der Ferne kann man Pläne schmieden und seinen Horizont erweitern oder einfach mal vor sich hinträumen.

 

 

Mit warmer Sonne im Rücken und dem Meer vor den Füßen scheint alles etwas leichter. Ein Kleinkind bekommt auch an der Strandpromenade einen Wutanfall, aber irgendwie unaufgeregter als zu Hause, als hätte man den Bass abgedreht. Auch Zeit spielt im Urlaub keine Rolle. Du isst, wenn du hungrig bist, und gehst schlafen, wenn du müde bist. Möchtest du ins Wasser, springst du in den Pool und hast du Sehnsucht nach Meer, gehst zu zum Strand. Nichts läuft nach Plan, alles spielt sich leicht und fast schon primitiv ab.

 

Man kann fokussieren, was man wirklich schön findet und endlich die Bücher lesen, die man irgendwann mal aus Interesse gekauft, aber wegen zu wenig Zeit und Muse liegen gelassen hat. Man nascht den ganzen Tag herrlich fruchtiges Obst, isst hervorragenden Fisch und generell zu viel Pasta. Man trinkt zu viel schweren Wein und raucht auch mehr, als sonst, doch auch das stört hier keinen. Zu Hause hat man genug Zeit, um wieder perfekt zu sein, hier zählt das Leben und die Qualität der leichten Entscheidungen. Ich denke, auch das macht es so besonders, es ist nichts für die Ewigkeit, macht aber ewig danach noch glücklich.

Bisous ihr Lieben

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