Erinnert ihr Euch an meinen Ärger im Paradies Beitrag? Die liebe Wiebke mit Ihrer wundervollen Piepmadame hat das Pendant dazu geschrieben und obwohl ich definitiv eine Mutti bin, die bis drei zählt, bin ich unfassbar inspiriert von Ihren Worten. Vielen Dank hierfür Wiebke

Unerzogen – Unser Weg ohne Erziehung

Eigentlich ist es ganz einfach: Ich glaube daran, dass unsere Kinder als bessere, reine, klare Menschen auf die Welt kommen. Sie brauchen keine Erziehung, die immer irgendein bestimmtes Ziel verfolgt. Erziehung, die sie zu etwas machen soll: brav, gehorsam, anständig, gesittet, ruhig, sozial, angenehm… –

Sie sind nämlich schon “etwas”: Sie werden “gut” geboren. Punkt.

Und so lebt meine Tochter gleichwertig in unserer Familie.

Aber was heißt das nun?

Zuallererst leben wir bedürfnisorientiert – das bedeutet aber absolut gar nicht, dass es hier ausschließlich um die Bedürfnisse meiner Madame geht. Denn, oh Wunder, ALLE Familienmitglieder haben Bedürfnisse. Und somit werden ALLE gehört (was nicht gleichzusetzen ist mit “erfüllt”).

Auch wenn es natürlich so ist, dass zumeist die Bedürfnisse meiner Tochter vorgehen – ich als Erwachsene kann warten, ich weiß was “gleich” bedeutet. Bedürfnisorientierung mit Aufopferung gleichzusetzen, wäre allerdings schlichtweg falsch. Wenn ich etwas wirklich nicht will (zum Beispiel spielen während der Einschlafbegleitung – nooo way. Will ich nicht!), dann mache ich es auch nicht. Die Kleine findet das höchstwahrscheinlich nicht so toll. Muss sie auch nicht. Frust darf und soll ausgelebt werden (und wird von mir möglichst liebevoll begleitet).

Weiters werde ich oft gefragt ob wir ohne Grenzen leben? Nein. Nur ohne “hausgemachte” Grenzen. Grenzen sind da! Ich muss mir nicht extra welche ausdenken. Eine sogenannte natürliche Grenze wäre zB: sie läuft nicht allein über die Straße, weil das (lebens)gefährlich ist. Ebenso sind persönliche Grenzen einfach da: wenn ich am Abend nach 12 Stunden Mama sein nicht mehr spielen mag, so muss sie auch damit umgehen lernen.

Wenn meine Tochter aber immer und immer wieder den Becher Wasser um- und auskippt – so testet sie keine Grenzen! Sie testet die logische Abfolge von Dingen, sie testet die Reaktion der Menschen um sie herum. Oder auch anders gesagt: sie lernt.

Das bringt mich zum nächsten Punkt: Gibt es bei uns Strafen/ Konsequenzen?

Kurz u knapp: nein. Strafen sind von der Situation abgekoppelte Konsequenzen (Fernsehverbot nach Sand schmeißen) – Konsequenzen sind mit der Situation “logisch” verbunden (nach Hause gehen nach Sand schmeißen) – aber für das Kind ist es beides mal der gleiche Mist! Wenn/dann-Drohungen, Erpressungen, Bestechungen… so funktioniert für mich ein harmonisches Zusammenleben einfach nicht! Ich will nicht das man mit mir so umgeht, warum sollte ich das also meinem liebsten Schatz auf Erden antun? Und wenn ihr euch jetzt fragt, was ich denn tue, wenn sie natürliche oder persönliche Grenzen überschreitet – andere würden sagen “frech” ist oder gar “trotzt”? Ich nehme sie aus der Situation, ich erkläre, ich lebe vor. Immer und immer und immer wieder. Unermüdlich. Bis sie es verinnerlicht hat. Und das wird sie, weil sie wie jeder andere Mensch das innere Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft in sich trägt. Und so wird sich sich über kurz oder lang so verhalten, das sie ein Teil ebendieser ist.

How to 🙂

Wie beginnt man nun “unerzogen” und bedürfnisorientiert zu leben? Wo fängt man an?

Dafür braucht es drei Dinge: Vertrauen, Loslösung, Gleichwertigkeit.

Vertraut darauf, dass euer Kind perfekt ist, dass es niemals etwas gegen euch tut, dass es kooperieren will – immer!!

Lasst den Gedanken los, etwas tun zu müssen, allein aus der Tatsache “dass das immer schon so gemacht wurde” oder “es sich so gehört”.

Behandelt eurer Kind so wie euren Partner! Würdest du so mit deinem Mann sprechen? Würdest du das von ihm verlangen? Müsste er das für dich tun? Nein??? Dann lass es. So einfach.

Gebt den Kindern Liebe, Liebe und noch mehr Liebe, dann kommen die guten Manieren von ganz allein. (Astrid Lindgren)

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